Reizmagen – der jüngere Bruder des Reizdarmes
6. Mrz 2009 | Von www.medizin-blog.net | Rubrik: Krankheiten und Probleme, MagenFunktionelle Dyspepsie oder zu deutsch nichtfunktionierende Verdauung heißt der Reizmagen bei den Ärzten. Betroffene leiden dabei nicht nur unter der Störung des Oberbauches mit heftigen Blähungen und Bauchweh, sondern auch vor allem darunter von vielen Ärzten kaum ernstgenommen zu werden. Der empfindliche Magen kann nicht nur empfindlich auf Speisen, Gewürze, Bestandteile wie Hefe oder Triebmittel, Säuren, Schärfe und Diätveränderungen auf Reisen reagieren, sondern vor allem auch auf psychische Einflüsse. Liebe geht durch den Magen, heißt es nicht von ungefähr und, dass Stress auf den Magen und die Verdauung schlägt, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Selbst wenn organische Ursachen schwer zu diagnostizieren sind, sollte man mit den Symptomen nicht spaßen und einen Arzt aufsuchen. Dyspepsie kann auch mit einer Insuffizienz des Pankreas, einer Tumorbildung im Pankreas, die zu starker Absonderung von Verdauungssekret führt, einhergehen und so die Magensäureproduktion besonders nachts erheblich ankurbelt. Wacht der Betroffene morgens mit Übelkeit, weißlich belegter Zunge, Mundgeruch, Bauchgrimmen, Säureüberschuss, saurem Aufstossen, Sodbrennen, Schmerzen hinter dem Brustbein oder Bauchweh bei nüchternem Magen auf, so muss auf jeden Fall die Bauchspeicheldrüse mit untersucht werden.
Der Arzt wird dann zuerst einmal prüfen, ob ein Heliobacter pyloris vorliegt, ein Bakterium, das die Magenwände angreift und Magengeschwüre auslösen kann, oder, ob es sich um ein Ungleichgewicht der Magensäfte handelt. Ist Gastritis ausgeschlossen, forscht man nach Allergenen weiter. Angeblich leiden 30% der Erwachsenen an Reizmagen, davon wiederum 50 % zusätzlich an Reizdarm. Kein Wunder ist es auch, wenn auf familiären Stress oder berufliche Probleme der Bauch mit Gereiztheit und Verdauungsproblemen reagiert, denn die Gefühle sind schließlich auch im Bauch verankert. Wenn der Arzt dann auch bei längerem Suchen nichts Konkretes findet, kommt oft noch eine unbestimmte Angst des Patienten vor Krebs oder blutenden Geschwüren dazu. Eine Magen-Darm-Spiegelung gibt hier auf jeden Fall Aufschluß.
Die Magenbeschwerden haben in vielen Fällen weniger mit Säureüberschuss als mit einer Bewegungsstörung im Darm zu tun, der die Nahrung nach oben drückt anstatt sie nach untern weiterzubefördern. Bei solchen Patienten hilft dann auch Atemgymnastik mit langsamem Ausatmen und tiefem Einatmen zur massierenden Bewegung des Zwerchfells sehr gut. Wichtig ist vor allem die Berücksichtigung der Stressfaktoren.
Was hilft nun wirklich bei Reizmagen und gestörter Verdauungsfunktion?
Wärme wird von vielen Patienten als hilfreich empfunden. Es empfiehlt sich, nach dem Mittagessen ein wenig auszuruhen und die warmen Hände auf den Oberbauch zu legen. Stressige Faktoren wie zu schnelles Essen, zu wenig Kauen und Hetzen vor, bei oder nach der Tischzeit sollten Betroffene ausschließen, auch wenn das manchmal leichter gesagt als getan ist. Ebenso ist die Ernährung von fettreichen, schwer verdaulichen Speisen, blähenden Hülsenfrüchten, übermässig gewürzten, scharfen, sehr sauren, stark salzigen und koffeinhaltigen Bestandteilen zu befreien und durch leicht verdauliches gekochtes Gemüse, gedünsteten Fisch und Vollwertreis oder Kartoffeln, Haferflocken und Möhen zu ersetzen. Kamillentee, Pfefferminztee, Melissentee oder Salbeitee sorgen für eine gute Vorbereitung der Verdauung.
Gute Erfahrung gibt es auch bei homöopathischen Mitteln wie Nux vomica. Wem das zu mild ist, der mag Iberogast gegen die Blähungen einsetzen oder ähnliche Medikamente aus der Apotheke. Metoc lopramin und Paspertin fördern die Darmbewegung, doch die Notwendigkeit einer solchen Maßnahme sollte der Patient sich immer vom Arzt bescheinigen lassen. Ruhe bewahren, für gesunde Körperbewegung an frischer Luft sorgen und den Alltagsstress auf ein Minimum reduzieren, kann wahre Wunder bewirken.
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