Harnwegsinfektion
1. Sep 2010 | Von www.medizin-blog.net | Rubrik: Krankheiten und ProblemeEine Harnwegsinfektion ist eine bakterielle Infektion der ableitenden Harnwege. Meist handelt es sich um eine aufsteigende Infektion über die Harnröhre, typisch sind dann Darmbakterien (meist E. coli) als Krankheitserreger nachzuweisen. Eine Harnwegsinfektion ist ein sehr häufiges Krankheitsbild, die Jahresinzidenz liegt bei jungen Frauen bei 5 % und steigt im Alter auf 20 % an. Frauen sind bevorzugt betroffen, da sie anatomisch auf Grund der kurzen Harnröhre und der Nähe zum Darmmilieu stärker gefährdet sind. Harnwegsinfekte beim Mann gelten immer als komplizierte Infekte und erfordern eine gründliche Ursachenforschung. Unter hormonellen Einflüssen z.B. in der Schwangerschaft und postkoital ist das Risiko nochmals erhöht. Auch ist die Harnwegsinfektion die häufigste nosokomiale (d.h. im Krankenhaus erworbene) Infektion, äthiologisch bedeutsam ist die großzügige und lang andauernde Versorgung mit transurethralen Harnableitungen mittels Dauerkatheter. Problematisch ist die hohe Anzahl an multiresistenten Keimen in den Krankenhäusern, die nur noch schwer einer antibiotischen Therapie zugänglich sind.
Diagnostisch wird der Urin auf Bakterien, Nitrit, Leukozyten, Blut und Eiweiß untersucht, so kann auch eine Nierenbeteiligung festgestellt werden. Wurden Bakterien mikroskopisch nachgewiesen, ist eine Kulturanlage mit Antibiogramm zu empfehlen. Bei starken Symptomen und Fieber sollte die Untersuchung durch eine Sonographie der Harnwege und eine Blutuntersuchung (Entzündungszeichen, Nierenwerte) ergänzt werden.
Symptome sind Brennen beim Wasserlassen, Juckreiz, häufiges Wasserlassen in kleinen Portionen (Pollakisurie) und Übelkeit. Auch Beimengungen im Urin (Makrohämaturie, Pyurie) sind möglich. Treten Fieber, Klopfschmerz im Nierenlager und erhöhte Entzündungswerte im Blut auf, so ist von einer Nierenbeteiligung auszugehen. Nicht selten kommen aber auch völlig asymptomatische Verläufe vor.
Therapeutisch werden nach vermutetem Keim und Resistenzlage kalkuliert Antibiotika eingesetzt. Diese können nach Antibiogramm bei Bedarf umgestellt werden. Zu bedenken ist, dass nicht jede Bakteriurie behandelt werden muss. Erst wenn Symptome auftreten oder die Bakterienzahl signifikant erhöht ist, sollten Antibiotika eingesetzt werden. Grundsätzlich behandelt werden komplizierte Harnwegsinfekte (z.B. bei Diabetes mellitus, Infekte beim Mann oder rezidivierende Infekte) und jede Bakteriurie in der Schwangerschaft, da diese in hohem Prozentsatz durch Aufsteigen der Infektion in eine Pyelonephritis übergehen und Frühgeburten auslösen können. Prophylaktisch und therapeutisch sollte auf hohe Trinkmengen geachtet werden, da so Bakterien mit dem Urin ausgeschwemmt werden können.
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