Diabetische Polyneuropathie
24. Jul 2010 | Von www.medizin-blog.net | Rubrik: Krankheiten und ProblemeBei etwa der Hälfte aller Diabetiker vom Typ 1 oder Typ 2 entsteht im Krankheitsverlauf eine Polyneuropathie. Die Nervenschädigung, bei der Organfunktionen und Reizwahrnehmung gestört werden, entwickelt sich hauptsächlich aufgrund eines schlecht eingestellten und langfristig erhöhten Blutzuckerwertes.
Man unterscheidet bei Diabetikern die periphere und die autonome Polyneuropathie. Die periphere Polyneuropathie betrifft den Teil des Nervensystems, der willentlich und bewusst steuerbar ist, also zum Beispiel das Muskelsystem oder den Tastsinn. Die Krankheit äußert sich zunächst in Schmerzen, vor allem in den Extremitäten, umgekehrt aber auch in Kribbeln und Taubheitsgefühlen. Später kann der Tastsinn so beeinträchtigt sein, dass überhaupt kein Schmerz- oder Druckempfinden mehr vorhanden ist. Das ist besonders problematisch, weil so eventuelle Durchblutungsstörungen zum Beispiel im Fuß, für die der Diabetiker ohnehin anfällig ist, nicht mehr wahrgenommen werden können. Genaue und regelmäßige Beobachtung ist hier empfehlenswert.
Bei der autonomen Polyneuropathie ist das vegetative Nervensystem betroffen, das Reflexe wie Herzschlag und Verdauungsperistaltik regelt. Je nach betroffenem Bereich kann die Symptomatik der autonomen Polyneuropathie also sehr unterschiedlich ausfallen. Störungen der Pulsfrequenz und des Blutdrucks sind denkbar, hormonelle Unregelmäßigkeiten können auftreten, sowie Verdauungsprobleme wie Durchfall, Verstopfung, Schluckprobleme oder verzögerte Weiterleitung der Nahrung aus dem Magen. Letzteres kann für Diabetiker besonders unangenehm werden, da durch die verlangsamte Verdauung die Blutzuckerabgabe nicht mehr kontrolliert werden kann. Besonders gefährlich kann das Auftreten eines Herzinfarkts sein, für das erstens ein erhöhtes Risiko besteht und das sich zweitens nicht durch Schmerzen ankündigt. Der plötzliche Herztod kann die Folge sein.
Die beste Vorbeugemaßnahme gegen beide Varianten der diabetischen Polyneuropathie sind gut eingestellte Blutzuckerwerte. Es empfiehlt sich dringend, die jährlichen Untersuchungen wahrzunehmen und diszipliniert auf die Ernährung und den Insulinspiegel zu achten. Regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Alkohol sind ebenfalls vorteilhaft.
Sofern die Krankheit bereits akut ist, können aufgetretene Nervenschädigungen zwar nicht mehr rückgängig gemacht werden. Wohl aber lassen sich durch verschiedene Therapien einige der Symptome lindern.
Antidepressiva können bei Schmerzen langfristig deren Wahrnehmung verändern. Schmerzmittel selbst sollten nicht über einen längeren Zeitraum konsumiert werden, um Gewöhnungseffekte zu vermeiden.
Bestimmte Fettsäuren sollen die Leitgeschwindigkeit der Nerven verbessern und so die Beeinträchtigung der Polyneuropathie kompensieren können. Die Wirksamkeit von B-Vitaminen und deren Einfluss auf die Nervenleitfähigkeit werden ebenfalls diskutiert, sind allerdings noch sehr umstritten.
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