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Was ist und wie funktioniert Qigong?

www.medizin-blog.net am 1. August 2011

Die Bewegungslehre Qigong nahm ihren Anfang vor mehr als 3000 Jahren und gehört (spätestens) seit der Ming-Dynastie (1368-1911) zu den Behandlungsmethoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Doch während die Arzneimitteltherapie der TCM heute schwerwiegender Kritik ausgesetzt ist – zur Gewinnung der tierischen Stoffe wird oftmals Qualhaltung betrieben und der Tierbestand auch stark bedrohter Arten dezimiert – gilt die Qigong-Gymnastik mit ihren verschiedenen Formen (es gibt rund 2000) auch in der westlichen Welt als sinnvolle Maßnahme zur Gesundheitsförderung. Die Vielfalt des Qigongs (“Gong” = Arbeit, Können, Fähigkeit, Pflege) beruht auf der Tatsache, dass im Verlaufe seiner langen Geschichte daoistische (Daojin), konfuzianische (Rujia Gong), buddhistische (Fojia Gong) und Körperkultur-Strömungen aus dem Bereich der asiatischen Kampfkünste (Wushu Gong) auf bestehende Traditionslinien Einfluss nahmen, woraus sich wiederum separate neue Qigong-Formen bild eten. Ihnen allen gemein ist eine naturphilosophische Ideologie, in die auch die TCM eingebettet ist:

Qi / Qui

Es wird davon ausgegangen, dass es „Qi“ gibt, einen Lebensenergie-Strom, dessen Natur weder rein geistig noch rein physisch ist und in dem die beiden Energie-Gegenpole der klassischen asiatischen Philosophie – Yin und Yang – nicht voneinander getrennt sind. Lebewesen wie der Mensch stehen in unmittelbarer Beziehung zu zwei Qi-Flüssen, ihrer inneren Energie und einer äußeren, die mit der Einatmung in den Körper fließen kann. In früheren Zeiten des Qigongs führte diese Vorstellung zu gefährlichen Körperübungen mit eingehaltenem Atem, die erst nach einer Revision der zugrunde gelegten Philosophie nicht mehr ausgeführt wurden. In modernen Qigong-Formen liegt der Fokus auf der Fürsorge für einen ungehinderten Fluss des inneren Qis, doch nach wie vor können bewusste Atemführungen eine wesentliche Rolle spielen, und in jedem Fall sollten Bewegungsablauf und Atmung miteinander harmonieren.

Erfolg des modernes Qigongs

In den 1950er Jahren wurden in China erstmals Sanatorien gegründet, die zur Heilbehandlung schwerpunktmäßig Qigong anwandten. Es wurden bei den (auch chronisch erkrankten) Patienten erstaunliche Erfolge erzielt, und die alte Bewegungslehre wurde in ihrem Heimatland immer beliebter. Doch die Kulturrevolution (1966-76) setzte diesem Qigong-Boom ein Ende, die Ausübung wurde unterdrückt, viele Lehrer zu Landarbeitern umgeschult. Schließlich kam es in den 1980er Jahren – nicht zuletzt unter dem Einfluss der modernen Medien – in China wieder zu einer enormen Popularität von Qigong, und an Hochschulen für TCM wurden nun sogar Fachabteilungen eingerichtet. Mittlerweile ist Qigong eine weltweit praktizierte Bewegungskultur.

Meridian Qigong

Meridian Qigong ist eine beliebte moderne Qigong-Form, die, ausgehend von China, seit den 1985er Jahren fortentwickelt wird. Sie vereint zwei bekannte Lehren der TCM: die Zang-Fu-Theorie und die (bei Qigong immer einbezogene) Meridian-Theorie. Bei Zang-Fu werden innere Organe Funktionskreisen zugeordnet, bei denen physische und psychische Kräfte voneinander abhängig sind. Die Meridian-Theorie ist im Westen vor allem durch die Akupunktur-Behandlung bekannt geworden: Es wird davon ausgegangen, dass im menschlichen Körper durch zwölf Meridiane (Hauptkanäle) und weitere Leitbahnen das Qi fließt, und dass Krankheit ihre Ursache im – durch physische oder psychische Faktoren bedingten – gestörten Qi-Fluss hat. Durch die Ausführung der Übungen soll Gesundheit sowohl erhalten als auch wiedererlangt werden können.

Anwendungsgebiete und Heilerfolge

Qigong wird generell zur Vorbeugung von Krankheiten empfohlen; da das gesamte innere Organsystem durch Qigong positiv stimuliert werden soll, ist die Palette der therapeutischen Anwendungsbereiche entsprechend groß. Als Beispiele für angeblich durch Qigong gemilderte und kurierte Beschwerden seien hier genannt: Allergien, Bluthochdruck, Darmerkrankungen, Hauterkrankungen, Migräne und Myome. Auch bei chronischen Erkrankungen der Atemwege wie zum Beispiel Asthma und Bronchitis soll Qigong sehr hilfreich sein und Heilung ermöglichen.

Qigong: Energiearbeit für Gesundheit und innere Ruhe © Sergey Komarov / Fotolia

Qigong: Energiearbeit für Gesundheit und innere Ruhe © Sergey Komarov / Fotolia

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