Indische Medizin | Eine umfangreiche Einführung
7. Aug 2010 | Von www.medizin-blog.net | Rubrik: AllgemeinesAyurveda bedeutet übersetzt „das Wissen vom Leben“. Die indische Gesundheitslehre gehört neben der Chinesischen Medizin und der Humoralmedizin von Hippokrates zu den ältesten Medizinsystemen der Menschheit und blickt auf eine mindestens 2500 Jahre alte Geschichte zurück. Ayurveda ist eine ganzheitliche Heilkunst und Lebenswissenschaft und hat drei Ziele: Prävention (Vorbeugung und Erhaltung der Gesundheit), Heilung (kurative Maßnahmen) und Langlebigkeit (Verlängerung der Lebensspanne bei bestmöglicher Lebensqualität). Gesundheit im umfassenden Sinne (Swastha) bedeutet im Ayurveda dabei mehr als das bloße Freisein von Krankheit. Swastha heißt „das Ruhen im Selbst“. Wenn sich Körper, Geist und Seele im harmonischen Einklang befinden, sind wir voller Kraft, Lebensfreude, Vitalität und verfügen über ein starkes Immunsystem.
Folgende Faktoren sind wesentlich, um einen stabilen gesundheitlichen Zustand zu erreichen: das Körperfeuer Agni, eine zuträgliche Ernährung, das dynamische Gleichgewicht der drei Funktionsprinzipien Vata, Pitta und Kapha, eine gesunde Lebensführung und die geistige Gesundheit. Was ist darunter genau zu verstehen?
Agni, das Körperfeuer, ist das zentrale Prinzip im Ayurveda. Es regelt die optimale Verdauung, den gesamten Stoffwechsel, sorgt für Stärke, Gesundheit, Immunität und Energie. Ist dieses Feuer funktionell gestört, sind Krankheiten die Folge. Agni ist wie ein Ofen, der optimal geschürt werden muss, um in richtiger Weise zu brennen. Brennt dieser zu stark oder zu schwach, wird der Körper nicht adäquat mit den Bausteinen versorgt, die er benötigt. Zurück bleiben sogenannte Schlackstoffe (Ama), die pathogen wirken. Sie stören insbesondere dort, wo die konstitutionellen Schwachstellen des jeweiligen Organismus liegen.
Die individuell zuträgliche Ernährung ist ganz entscheidend für den Erhalt des Körperfeuers und der Gesundheit. Im Ayurveda wird daher genau analysiert, welche Nahrungsmittel aktuell für eine Person geeignet sind und welche nicht. Darüber hinaus spielt die richtige Zubereitung eine wichtige Rolle. Durch eine entsprechende Kochweise und die richtigen Gewürze werden Nahrungsmittel leichter verdaulich.
Ayurveda unterscheidet darüber hinaus drei Funktionsprinzipien im Körper. Ziel ist das dynamische Gleichgewicht dieser drei Grundkräfte, Vata, Pitta und Kapha genannt. Vata ist das Prinzip der Bewegung, bestehend aus den Elementen Luft und Raum. Vata regelt alle Bewegungsabläufe im Körper und Geist, z. B. die Atmung, das Sprechen, die Emotionen. Pitta ist das Prinzip der Umwandlung, bestehend aus den Elementen Feuer und Wasser. Pitta ist die Stoffwechselenergie und zuständig für alle transformatorischen Prozesse, z. B. die Verdauung. Kapha ist das Prinzip der Struktur, bestehend aus den Elementen Erde und Wasser. Kapha spiegelt das Prinzip wider, das dem Körper Form, Kraft, Schutz und Stabilität gibt, etwa die Muskulatur oder unsere Knochen. Befinden sich diese drei Funktionsprinzipien in einem ausgeglichenen Zustand, begrenzen und fördern sie sich gegenseitig. Gewinnt ein Prinzip über einen längeren Zeitraum die Oberhand, führt dies zu spezifischen Krankheiten. Zu viel Feuer kann beispielsweise zu Sodbrennen oder Entzündungen führen.
Ein gesunder Geist sorgt für einen gesunden Körper. Ayurveda unterscheidet drei geistige Qualitäten: Trainieren wir unsere Unterscheidungskraft, lernen wir, was für uns zuträglich ist und was nicht. Unser Erinnerungsvermögen sorgt dafür, dass wir aus Fehlern lernen und sie zukünftig vermeiden. Die Willenskraft hilft uns bei der Umsetzung unserer Ideen und Ziele. Zu wissen, wer wir sind, wo unsere Stärken und Schwächen liegen, was wir im Leben erreichen wollen und wie wir unsere Ziele verwirklichen können, sind ganz zentrale Aspekte eines gesunden und glücklichen Lebens.
Zu einer gesunden Lebensführung zählen Faktoren wie Körperhygiene, ein gesunder Schlafrhythmus, regelmäßige Essenszeiten und zuträgliche Lebensgewohnheiten. Das Leben im Einklang mit den natürlichen Rhythmen (z. B. Tag und Nacht, Jahreszeiten, Lebensphasen) spart Energie.
Neben diesen generellen Aspekten gibt es im Ayurveda noch eine spezielle Therapieform. Die sogenannte Pancha-Karma-Kur ermöglicht eine gezielte Ausleitung aller Giftstoffe im Körper, selbst von fettlöslichen Giftstoffen und Schwermetallen. Dies wird erreicht durch eine spezielle, leicht verdauliche Kost, externe Anwendungen wie etwa Ölmassagen und Schwitzkuren sowie ausleitenden Verfahren, z.B. Einläufe oder therapeutisches Erbrechen.
In den 80er-Jahren entstanden die ersten Ayurveda-Kliniken in Deutschland. Seitdem finden sich immer mehr Ärzte, Heilpraktiker und Gesundheitsberater, die auf das alte indische Wissen zurückgreifen und dieses für europäische Verhältnisse zugänglich machen.
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