Kräftigung der Blasenfunktion

27. Mai 2010 | Von | Rubrik: Aktuell im Fokus

Im Grunde genommen verläuft die Arbeitsweise der Blase recht einfach: sie sammelt den Urin über einen längeren Zeitraum, bis das Organ einen Dehnreiz erfährt. Dem Gehirn wird signalisiert, dass es Zeit für eine Blasenentleerung wäre – der Harndrang setzt ein. Dieser kann im Normalfall solang unterdrückt werden, bis eine geeignete Gelegenheit zur Entleerung gefunden ist. Gewährleistet wird dies zunächst durch den inneren Schließmuskel, dessen Spannung unwillkürlich über einen Reflex gesteuert wird. Hingegen kann der äußere Schließmuskel bewusst angespannt und somit eine Entleerung trotz eines starken Harndrangs hinausgezögert werden. Auch die Muskulatur des Beckenbodens wirkt unterstützend auf diesen Mechanismus. Allerdings kann dieses normale Zusammenspiel gestört sein und den Betroffenen in unangenehme Situationen bringen. Bereitet die willentliche Blasenentleerung Schwierigkeiten, spricht man von Blasenschwäche oder Inkontinenz. Gleich welche Form auch besteht – für jede Ausprägung der Inkontinenz gibt es verschiedene Möglichkeiten, um den Betroffenen in ein unbeschwertes Leben zurückzuführen.

Die am weitesten verbreitete Form ist die Belastungsinkontinenz: dabei kommt es zu einem unbewussten Verlust von Harn im Zuge von körperlichen Belastungen, beispielsweise während des Lachens, Hustens oder der Ausführung von Hebebewegungen. Häufig ist eine durch Schwangerschaft oder Übergewicht geschwächte Beckenbodenmuskulatur dafür verantwortlich. Abhilfe kann vorrangig durch eine Stärkung dieser Muskulatur geschaffen werden – durch Krankengymnastik, Verbesserung der Körperhaltung und allgemeinen Steigerung des Aktivitätslevels. Haben Betroffene vorerst keinerlei Gefühl für die Anspannung des Beckenbodens, können die Methoden der Elektrostimulation und des Biofeedbacks die Kontrolle verbessern. Als förderlich hat sich ebenso eine Gewichtsreduktion erwiesen. Medikamente sind allerdings wenig erfolgversprechend.

Eine nächste Form der Blasenschwäche ist die Dranginkontinenz: hierbei besteht eine Überempfindlichkeit oder Hyperaktivität des Organs. Im Falle einer hypersensiblen Blase sendet diese das Signal für einen starken Harndrang, obwohl die Blase kaum mit Flüssigkeit gefüllt ist – dies geschieht zudem urplötzlich und ist kaum zu unterdrücken. Eine Überempfindlichkeit kann Folge eines Tumors sein, der operativ entfernt werden muss, oder durch Entzündungen der Blasenschleimhaut hervorgerufen werden, die mit Antibiotika behandelt werden können. Ebenso sind Steine in Betracht zu ziehen, die gegebenenfalls zertrümmert werden müssen. Bei einer Hyperaktivität spannt sich die Blasenmuskulatur unerwartet an, obgleich noch keine relevante Flüssigkeitsmenge vorhanden ist. Meist sind neurologische, psychische oder psychosomatische Ursachen dafür verantwortlich. Die Überaktivität wird mit Antidepressiva, Toilettentraining und Anticholinergika behandelt. Letztere sind Arzneimittel, die ebenfalls im Falle einer Überempfindlichkeit eingesetzt werden können.

Besonders Männer sind von einer Überlaufinkontinenz betroffen. Bei dieser Form der Blasenschwäche füllt sich das Organ zunehmend mit Urin, während auch das Gefühl eines starken Harndrangs einsetzt. Allerdings kann die Entleerung der Blase nicht mehr willentlich eingeleitet werden, sodass sie irgendwann überläuft – folglich kommt es zu einem unkontrollierten Harnverlust. Derartige Beschwerden resultieren aus Hindernissen, beispielsweise Tumore, im Blasenausgang. Bei Männern ist häufig eine vergrößerte Prostata Schuld. Eine Besserung kann beiderseits nur durch die Entfernung des Hindernisses gewährleistet werden. Auch eine Schwächung oder Einschränkung der Funktion der Blasenmuskulatur kommt in Frage. Diese muss geeignet stimuliert werden, beispielsweise durch Cholinergika oder Elektrostimulation.

Eine letzte Form der Blasenschwäche ist die Reflexinkontinenz. Sie wird durch eine fehlerhafte Informationsübertragung vom Gehirn und Rückenmark zu der Blase verursacht. Die Entleerung kann nicht mehr willentlich gesteuert werden, sondern erfolgt nur noch als Reflex. Krankheiten wie Multiple Sklerose oder Demenz können dafür verantwortlich sein. Ebenso kann die Reflexinkontinez als Folge von Schlaganfällen, Rückenmarkstumoren oder Querschnittslähmungen auftreten. Eine Therapie ist dabei ganz von der zugrunde liegenden Krankheit abhängig. Häufig wird eine Selbstkatheterisierung versucht, bei welcher der Harn mehrmals täglich über einen Katheter abgeleitet wird. Alternativ bietet sich hier wieder die Elektrostimulation an, um die Blasenfunktion zu stärken.


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