Antioxidanzien: Wundermittel oder Mythos?
1. Aug 2011 | Von www.medizin-blog.net | Rubrik: Aktuell im FokusSie werden als Gesundheitspolizisten, als Power- oder Vitalstoffe bezeichnet – Antioxidanzien. Ihre Wirkpalette umfasst das gesamte Spektrum der Gesundheitsvorsorge und Verschönerung. So soll nicht nur das Immunsystem profitieren, auch die Haut soll jünger, straffer, jugendlicher erscheinen. Zudem versprechen sich viele Menschen von der Einnahme einen krebsvorbeugenden und allgemein gesundheitsverbessernden Effekt. Aber was ist tatsächlich dran an den vermeintlichen Wunderwirkungen der Antioxidanzien?
Die Theorie der freien Radikale
Im Rahmen der verschiedenen Stoffwechselprozesse im Körper bilden sich aus molekularem Sauerstoff die sogenannten freien Radikale; sie sind analytisch im Menschen nachweisbar. Schon in den 50er Jahren des vergangenen Jahrtausends wurde erstmals die These aufgestellt, dass jene Radikalzellen den Alterungsprozess maßgeblich beeinflussen. Mit ihrer Freisetzung würden wichtige Zellbestandteile wie die genetischen Informationen in der DNA beschädigt. Aufgrund der ständig steigenden Anzahl schadhafter Zellen entstehen die typischen Alterszeichen wie Falten und schlaffe Haut. Mithilfe von Antioxidanzien sollen die freien Radikale unschädlich gemacht oder zumindest deren negativer Einfluss abgemildert werden.
Antioxidanzien in der Ernährung
Der Körper kann Antioxidanzien selbst bilden; so sind beispielsweise von Glutathion als auch von Harnsäure und Melatonin antioxidative Wirkungen bekannt. Selbst die Muttermilch enthält verschiedene antioxidative Substanzen, die helfen, das kindliche Immunsystem aufzubauen. Den größten Anteil machen jedoch natürliche Wirkstoffe in Obst, Gemüse, Samen, Früchten und Kräutern aus. Am bekanntesten sind die sekundären Pflanzenstoffe, zu denen etwa die Carotinoide und verschiedene Polyphenole gehören. Daneben sind Spurenelemente wie Zink, Mangan, Kupfer und Selen wichtige Radikalfänger. Im Rahmen der täglichen Ernährung – vorausgesetzt sie ist ausgewogen und abwechslungsreich – nimmt der Mensch alle Vitamine und Spurenelemente auf, die er benötigt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine gemüse- und obstreiche Kost positive Wirkungen auf die Gesundheit hat. Zudem soll sie den geistigen Verfall im Alter abmildern.

Von Lebensmitteln bis zur Creme - immer häufiger wird der "antioxidative" Charakter und die Bedeutung der "Radikalfänger" betont
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Plus Antioxidanzien = doppelte Wirkung?
Anders sieht es jedoch mit synthetischen Antioxidanzien in Form von hoch dosierten Nahrungsergänzungsmitteln aus. Der gesundheitliche Nutzen solcher Tabletten ist äußerst umstritten, verschiedene Studien belegen sogar eine schädliche Wirkung. So geriet das als Rauchervitamin bekannt gewordene Betakarotin in Verdacht, Lungenkrebs auszulösen. Auch die zusätzliche Einnahme von Vitamin E erwies sich als negativ. Jene Probanden, die das Vitamin in hohen Mengen eingenommen hatten, erlitten häufiger einen Schlaganfall als die Kontrollgruppe, die auf Vitamin E in Tablettenform verzichtet hatte. Eine weitere Studie ergab, dass das Spurenelement Selen – in künstlicher, überdosierter Form – das Risiko erhöhen kann, einen Diabetes mellitus zu entwickeln.
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